Wie mir die innere Anspannung Körper und Geist zerstörte

Ein emotionaler Erfahrungsbericht von David Brandstötter.

Der Druck, dazugehören zu wollen

Ich hatte schon immer eine gewisse Grundspannung in mir. Vielleicht kam das von meiner Jugend, in der ich leidenschaftlich Fußball spielte – oft als Kapitän, als Abwehrchef. Fehler von mir führten nicht nur zu Gegentoren, sondern manchmal auch zu Niederlagen. Es war nie mein Ziel, makellos zu sein. Ich wollte einfach ein wertvoller Teil des Teams sein. Und ähnlich wie am Spielfeldrand, wollte ich auch im Leben nie im Mittelpunkt stehen – aber dazugehören. Wertvoll sein. Gesehen werden, ohne laut zu sein.

Gesellschaftlicher Leistungsdruck statt Schulstress

In der Schule lief alles irgendwie nebenbei. Lernen reichte für ein Genügend, und das war für mich in Ordnung. Den wirklichen Druck spürte ich nicht in Form von Noten, sondern in der Rolle, die ich in meinem sozialen Umfeld einnahm. Ich hatte nie ernsthafte Probleme mit Mobbing, meine Familie stand hinter mir, Rückschläge konnte ich gut wegstecken. Dennoch war da dieser unterschwellige gesellschaftliche Druck: Leistung bringen, dazugehören, nicht auffallen, aber auch nicht untergehen.

Das Hamsterrad der Karriere

Später verschob sich dieser Druck in den beruflichen Bereich. Ich malte mir ein Bild einer „Karriere“ aus und rannte los – direkt ins Hamsterrad. 60-Stunden-Wochen waren Minimum, Arbeit an Wochenenden, Urlaub mit Diensthandy. Und obwohl die Signale meines Körpers laut und deutlich waren – Muskelzucken, rote Augen, schmerzende Verspannungen, schweißnasse Hände – ignorierte ich sie. Ich behandelte sie mit Bier und Zigaretten. Kurzfristige Linderung, langfristiger Schaden.

Der körperliche Zusammenbruch

Zwei schwere Knieverletzungen binnen kürzester Zeit zwangen mich zur Vollbremsung. Über 230 Tage auf Krücken, eine OP, Therapiekosten von über 12.000 Euro (nach Kassenersatz!) und ein Jahr durchgehende Schmerzen – das war der Tiefpunkt. Ein Punkt, an dem ich keine Emotionen mehr spürte. Ich funktionierte einfach nicht mehr. Diese Zeilen zu schreiben fällt mir heute noch schwer – meine Hände sind wieder feucht.

Der erste Kontakt mit Yoga

Und dann kam Yoga.
Julia, meine Partnerin, meinte, ich solle alternative Wege versuchen. Also schenkte ich ihr (vermeintlich) zu Valentinstag eine Yogastunde – mit der Absicht, selbst mitzugehen. Nach der ersten Einheit war mein Kommentar: „Der Scheiß ist Selbstmord.“ Ich konnte keine einzige Pose richtig ausführen, mein ganzer Körper schrie. Und während ich das der Yogalehrerin sagte, kaufte ich mir gleichzeitig einen 10er-Block. Keine Ahnung, warum.

Schrittweise Heilung und Rückkehr zur Natur

Die Wochen danach veränderten alles. Die Yogalehrerinnen nahmen bei jeder Pose Rücksicht auf mich (ich konnte ja nicht einmal eine Planke für 3 Sekunden halten). Plötzlich konnte ich wieder ohne Krücken Treppen steigen, zwei Kniebeugen machen, zwei Stunden am Stück schlafen. Ich begann, mich in die Natur zurückzuziehen, legte meine Matte auf einsame Waldwiesen und meditierte – heimlich, ganz für mich. Zwei Orthopäden hatten mir gesagt, ich könne ohne künstliches Gelenk weder laufen noch Rad fahren. Der dritte meinte: „Probier’s einfach. Wenn’s weh tut, hör auf. Dann versuch’s nochmal.“
Also begann ich, mich langsam wieder zu bewegen. Barfuß in Brennnesseln, Eisbaden, Spaziergänge, Ameisen beobachten, Berge erklimmen – mein Körper kam zurück. Und mit ihm: Freude. Motivation. Liebe. Vertrauen in mich selbst.

Der Aufbruch in ein neues Leben

Was dann kam, hätte niemand geglaubt – und viele taten es auch nicht. Julia und ich kündigten eine Auszeit mit dem Reiserad an. Viele dachten, das sei ein Hirngespinst. Eine Woche später wären wir sicher wieder zurück, sagten sie. Doch aus einer Woche wurden 14 Monate – bis hinauf in den Himalaya. Unterwegs in Indien absolvierten wir eine zweimonatige Yogalehrerausbildung. Yoga wurde nicht nur mein Weg zur Heilung, sondern auch zu meiner Berufung.

Yoga als Werkzeug, nicht als Allheilmittel

Heute unterrichte ich bei Namaste Freistadt und begleite Menschen auf ihrem Weg – körperlich und geistig. Ohne regelmäßige Praxis kommen meine Knieschmerzen zurück. Das sehe ich positiv. Sie erinnern mich daran, mich weiterzuentwickeln, dranzubleiben, Neues über Körper und Geist zu lernen – und genau das vermittle ich in meinen Kursen.

Yoga allein hätte mich wahrscheinlich nicht gerettet. Es war das Zusammenspiel aus medizinischer Hilfe, Physiotherapie, Unterstützung durch Familie und Freunde – und Yoga. Dieser Mix brachte mich auf meinen spirituellen Weg.

Wenn ich unterrichte, tue ich das mit dem Wissen, dass Schmerz nicht nur Schwäche ist. Er ist auch eine Einladung zur Veränderung. Ich bin den ersten Schritt gegangen, als ich am tiefsten Punkt war. Vielleicht bist du jetzt an diesem Punkt. Dann komm auf die Matte. Es ist nicht leicht. Aber es lohnt sich.

Unsere gemeinsame Yogareise

Bei Namaste Freistadt bestreiten wir die Yogareise gemeinsam.
Ich bin nicht nur Lehrer, sondern gemeinsam mit Julia Gründer eines Studios, das nach traditionellen indischen Konzepten und Philosophie geführt wird. Dazu unterstützen uns  liebevolle Yogalehrerinnen, Lisa + Patricia + Jacqueline + Stefanie, die die gleiche Vision wie wir verfolgen. Unsere Vision ist es, Menschen zu begleiten, die körperliche und geistige Tiefe im Yoga suchen – ganz ohne Leistungsdruck, aber mit echter Hingabe.

Namasté,
David

Zurück
Zurück

Die Kraft der Mantras

Weiter
Weiter

Was ist Yoga? Die 8 Glieder des Yogas