Was ist Yoga? Die 8 Glieder des Yogas

Das Wort „Yoga“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Vereinigung (von Körper und Geist)“.

Die meisten Leute denken bei Yoga an flexible Körper, die coole Figuren ausführen und andere schön anzusehende Bewegungen. Vor allem bei uns in Europa wird in Yoga meistens eine sportliche Disziplin gesehen. Das “bewegte Yoga”, das wir uns hierbei vorstellen, ist aber genau genommen nur ein Teil von Yoga und wird Asanas (Körperbewegungen) genannt. Yoga besteht laut Patanjali (= indischer Gelehrter aus dem 5.Jhdt.v.Chr., Verfasser des Yogasutra) aus 8 Gliedern (the 8 limbs of Yoga) und ist mehr eine Lebensweise als eine Sportart. Wir haben in der “Yogahauptstadt” (Rishikesh, Indien) am Fuße des Himalayas eine traditionelle Ausbildung gemacht, wo alle 8 Glieder des Yogas genau durchgenommen wurden. Diese erklären wir euch hier!

  1. Yamas (= der Umgang mit der Umwelt)
    Hier geht es um die Regeln über das Verhalten anderer gegenüber. Keiner lebt allein auf dieser Welt, daher muss jeder lernen, wie man mit anderen Wesen richtig umgeht!
    Es gibt 5 Unterpunkte/Regeln:

    1. Ahimsa (= Nicht-Verletzen)
      Unter Ahimsa versteht man den wohlüberlegten Umgang mit allen Lebensweisen (in Gedanken, Worten und Taten). Man verlangt die Abwesenheit von Ungerechtigkeit, Grausamkeit und Gewalt.

    2. Satya (= Wahrhaftigkeit)
      Dieses Yama verlangt von uns, dass wir die Wahrheit sprechen, sich selbst nicht belügen und Fehler eingestehen. Die anderen Themen, die hier behandelt werden, sind Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Treue und Loyalität.

    3. Asteya (= Nicht-Stehlen)
      Gegenstände und geistiges Eigentum dürfen im Yoga nie gestohlen werden. Außerdem darf man Dinge, die im Vertrauen ausgesprochen wurden, nicht weitergeben.

    4. Brahmacharya (= Verhalten, das zu einer Zufriedenheit führt, die nicht von Konsum und Besitz abhängig ist)
      Der Geist soll vor Dingen, die Unklarheit bringen, geschützt werden. Es geht um die Reinheit in Gedanken, im Wort und in der Tat

    5. Aparigraha (= Bescheidenheit)
      Hier geht es darum, Menschen nicht auszunutzen. Besitz wird oft zur Last, daher soll ein Yogi auch bei Belohnungen oder Geschenken stets zurückhaltend sein, damit keine Verpflichtungen entstehen

2. Niyama (= der Umgang mit sich selbst)
Sowie Yama gehört Niyama zu den geistigen Regeln. Bei Niyama geht es um die Auseinandersetzung mit sich selbst.
Auch hier gibt es 5 Unterpunkte/Regeln:

  1. Saucha (= Reinheit)
    Nicht nur der Körper, sondern auch der Geist sollte stets rein gehalten werden. Hygiene, richtige Nahrung, gutes Wasser und die nötige Bewegung halten uns fit und elastisch.

  2. Santosha (= tiefe, innere Zufriedenheit)
    Man soll genügsam leben und zufrieden sein, mit dem, was man hat. Am besten funktioniert das, indem man jegliche Existenz in ihrer Pracht und Einmaligkeit erkennt.

  3. Tapas (= Glut, Hitze, Selbstbeherrschung)
    Hierbei soll man den Körper trainieren und erhitzen und damit Unreinheiten über die Ausscheidung, Haut und Atmung loswerden. Dadurch kann der Körper sich von Schlacken reinigen und geistige Klarheit gewinnen

  4. Svadhyaya (= selbst, zu mir gehörig)
    Das ist das Gebot der Selbsterforschung. Was gefällt mir? Was macht mir Angst? Wie kann ich mich verbessern? Wie gehe ich mit verschiedenen Situationen um?

  5. Ishvara Pranidhana (= Hingabe)
    Die Hingabe an einen Gott oder an eine Schöpfung wird im Yoga ebenso behandelt. Die Religion oder der Glaube spielt hier keine Rolle und es wird auch nicht zwischen Gott oder einem universellen Prinzip unterschieden. Man soll Dinge und Geschehnisse loslassen und sich mit ganzem Herzen einer Sache hingeben.

3. Asana (= Körperbewegungen)
Die dritte Disziplin ist die Praxis der Körperübungen als Vorbereitung zur „richtigen Hinsetzung“ im Meditationssitz, der unabdingbar für die folgenden Stufen ist, die nur noch sitzend ausgeführt werden. Es gibt über 800 Yoga-Haltungen, da sämtliche Bereiche des Körpers trainiert werden sollen. Die Ãsanas kräftigen den Körper, machen ihn geschmeidig, verleihen ihm mehr Vitalität und erhöhen die Lebensenergien. Zusätzlich wirken sie auch entspannend und fördern die Entwicklung der Persönlichkeit.

4. Pranayama (= Kontrolle über den eigenen Atem)
Die Kunst der Atemübungen setzt ein hohes Maß an Körperbeherrschung voraus. Im Yoga geht man davon aus, dass der Geist den Atem beeinflusst und umgekehrt. Pranayama ist die bewusste Verbindung von Atem und Geist durch neutrale Beobachtung. Das Ziel ist, viel Prana (= Energie) in den Körper zu leiten, um den Geist vom Irdischen zu lösen. Viele Jahrhunderte war Pranayama eine geheime Lehre, sodass Schüler erst nach 20 Jahren (!) Asana-Praxis in die Atemkunst eingeweiht wurden.

5. Pratyahara (= Rückzug der Sinne)
In dieser “Disziplin” beschäftigen wir uns mit der Beherrschung der Sinneswahrnehmung. Hier wird die Verbindung zwischen Geist und Sinne getrennt. Obwohl alles rundherum weiterhin existiert, lassen sich unsere Sinne nicht mehr beeinflussen. Es ist das Nach-innen-Lenken der Aufmerksamkeit.

6. Dharana (= Konzentration)
Die Ausrichtung auf einen Punkt oder eine Richtung bereitet uns auf eine gedankenfreie Meditation vor. Wir versuchen uns auf eine bestimmte Aktivität so zu verstärken, dass andere Aktivitäten des Geistes verschwinden. Zum Beispiel versuchen wir ein Baum zu werden und stellen uns unsere Baumkrone vor, fühlen, wie sich unsere Blätter im Wind bewegen etc.

7. Dhyana (= Meditation)
In der Meditation soll das Denken gänzlich zum Erliegen gebracht werden. In diesem Zustand erfahren wir höhere Dimensionen und Einblicke in Absolute. Diese Erfahrungen sind in Worten unmöglich zu beschreiben.

8. Samadhi (= Versenkung, Erleuchtung)
Das ist der Zustand absoluter Glückseligkeit! Es gilt als das höchste Ziel der Yogis! Reines Bewusstsein, eine Einheitserfahrung und die Erkenntnis des Allwissens! Hier verschmilzt der Geist vollständig mit der Meditation. Alles, das eine individuelle Persönlichkeit ausmacht, verschwindet. Gegenstand und Geist wird eins. Es ist eine kontemplative bzw. beschauliche Erfahrung von Bewusstsein. Ein Gefühl der Einheit mit allem entsteht!

Du siehst, Yoga besteht nicht nur aus Models, die in teurer Markenkleidung herumturnen. Um ein “echter” Yogi zu werden, ist viel Übung und Geduld nötig. Aber keine Angst: die 8 Glieder des Yogas sind keine Verpflichtung, sondern eine Empfehlung, um in den Samadhi-Zustand zu kommen!
Wir bieten in unseren Stunden Pranayama, Asanas und Meditation an. Solltest du Interesse an der Yoga-Philosophie haben, kannst du nach jeder Einheit mit uns darüber sprechen oder diskutieren. Wir geben dir in unserem Studio auch gerne Buchempfehlungen, falls du tiefer hineintauchen willst!

Hoffentlich sehen wir uns bald im Studio!

David und Julia

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Wie mir die innere Anspannung Körper und Geist zerstörte

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Yoga für Anfänger und Fortgeschrittene in Freistadt